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Leseprobe Leseprobe

Das Buch „Buddha begegnen” ist in acht Kapitel eingeteilt. Neben dem biographischen Text werden in jedem Kapitel Menschen aus der buddhistischen Tradition der Gegenwart charakterisiert. Mit einer Meditation wird jedes Kapitel beendet. Hier einige Textauszüge:

3. Kapitel: Sarnath

Auszug ab Seite 49

Die ersten buddhistischen Mönche

Die fünf Asketen, die aus Kapilavastu stammten und zu Buddhas Stamm der Shakyas gehörten, erlangten durch die Belehrungen des Buddha Befreiung, sie wurden zu Heiligen, zu Arhats. Buddha schilderte dies so: „Und die fünf verbündeten Mönche, von mir so belehrt, also eingeführt, selber Geburt, Alter, Krankheit, Tod, Schmerz und Schmutz unterworfen, das Elend dieses Naturgesetzes merkend, fanden die geburtlose, alterslose, krankheitslose, todlose, schmerzlose, schmutzlose unvergleichliche Sicherheit, das Nirvana.“ (M 26)

Der erste von den Fünfen, der die Befreiung erlangte, war der Brahmane Kaundinya, der schon bei der Namensgebung Siddharthas anwesend war und damals schon erkannte, dass dieses Kind die Erleuchtung erlangen würde. Er hatte sein Priesteramt aufgegeben und war als Asket in die Hauslosigkeit gezogen. Als er Siddhartha in der Nähe des heutigen Bodhgaya wiedertraf, hatte er bereits über 28 Jahre als Asket gelebt. Auch die anderen hatten viele Jahre als Asketen zugebracht. So kann man ermessen, welche Enttäuschung es für die fünf Männer war, als sie glaubten, Siddhartha hätte sein Streben aufgegeben und sich üppiger weltlicher Lebensweise zugewandt.

Kaundinya war auch der erste, der den Buddha bat, sein Jünger werden zu dürfen. Er wurde von Buddha angenommen mit den Worten: „Komm o Mönch, gut erklärt ist die Lehre, führe ein reines Leben, um des Leidens Ende zu verwirklichen.“ (Mv 1,6) Damit war Kaundinya der erste buddhistische Mönch, der erste Bhikshu, in der Geschichte. Die anderen vier Gefährten folgten dem Beispiel des Kaundinyas. Dies war der Beginn des Sangha, des buddhistischen Ordens, der seit über 2500 Jahren existiert.

Die Lehrrede vom Nicht-Ich

Fünf Tage nachdem die ehemaligen Gefährten zu Bhikshus geworden waren, gab Buddha ihnen eine weitere grundlegende Belehrung, bekannt als die Lehrrede von den Kennzeichen des Nicht-Selbst. Buddha legte in der Lehrrede dar, dass sich die Persönlichkeit des Menschen aus fünf Gruppen oder Aggregaten (Sanskrit: Skandhas) zusammensetzt: dem Körper, der Empfindung, der Wahrnehmung, der Geistesregung und dem Bewusstsein. Er untersuchte diese fünf Gruppen danach, ob eine von ihnen das Selbst des Menschen sei. „Der Körper, o Mönche, ist ohne Selbst. Denn wäre, o Mönche, dieser Körper das Selbst, würde dieser Körper nicht der Krankheit anheimfallen und einer müsste erreichen können, dass sein Körper so oder so nicht ist. Ist der Körper beständig oder unbeständig? Was aber unbeständig ist, ist dies (Ursache für) Leid oder Freude? Was aber unbeständig und leidvoll, dem Gesetz der Vergänglichkeit unterworfen ist, kann man davon die Meinung haben: ,Das ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst?’ Daraus folgt: Was immer an Körper in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart existiert an einem selbst oder außerhalb, sei es grob oder fein, gering oder erhaben, entfernt oder nah, für jeden Körper gilt: ,Das ist nicht mein, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst’.“ (S 22,59; Mv 1,6) Das Gleiche gilt auch für die anderen Persönlichkeitsbestandteile.

Das Selbst gilt in der indischen Tradition als etwas Unveränderliches und Ewiges und wird im Sanskrit mit atman bezeichnet. Buddha prüfte alle Daseinsfaktoren, angefangen vom Körper bis zum Bewusstsein, ob sie unveränderlich und ewig seien. Sind sie aber Krankheit, Alter und Verfall ausgesetzt, können sie nicht das Selbst sein. Der Körper und die anderen Aggregate unterliegen nicht dem Willen, ihre Vergänglichkeit lässt sich nicht aufhalten, sie schreitet auch gegen den Willen fort. Das, was nicht meinem Willen und meiner Gewalt unterliegt, kann nicht als mein und als mir Gehörendes bezeichnet werden. Diese fünf Gruppen, vom Körper bis zum Bewusstsein, sind ständiger Veränderung unterworfen, sind nicht in meiner Gewalt, sie gehören mir nicht, sie sind uneigen, sie sind nicht das Selbst, nicht mein Wesen. Damit hat Buddha seine erste Belehrung über ein zentrales Thema seiner Lehre gegeben. Buddha wird dies in den nächsten Jahren seiner Lehrtätigkeit noch weiter erläutern. Nach ihm haben Generationen von buddhistischen Lehrern dieses Thema weitergeführt. Ein Beispiel für eine moderne und äußerst originelle Darlegung des Themas liefert der bekannte vietnamesische Lehrer Thich Nhat Hanh:

„Es war im Zen-Mountain-Center in Tassajara in Kalifornien, als ich zum erstenmal Erdnussplätzchen kostete, und ich liebte sie! Um die Plätzchen herzustellen, muss man, so wurde mir erklärt, aus allen Zutaten einen Teig bereiten. Ich stellte mir vor, dass in dem Augenblick, da jedes Häufchen die Teigschüssel verlässt und auf das Blech gesetzt wird, es anfängt sich als separates Wesen anzusehen. Du, der du diese Plätzchen zubereitet hast, weißt es besser und entwickelst Mitgefühl für sie. Du weißt, dass sie ursprünglich eins waren ... Aber sie haben unterscheidendes Wahrnehmen entwickelt und plötzlich bauen sie Barrieren zwischen sich auf. Wenn du sie in den Backofen schiebst, fangen sie an miteinander zu schimpfen: ,Geh mir aus dem Weg. Ich möchte meinen Platz in der Mitte haben.’ – ,Wie hässlich du bist! Schau mich an, ich bin herrlich braun!’ Auch wir verhalten uns ganz ähnlich, und das bringt uns viel Leiden. Wenn wir verstanden haben, dass jedes Wesen und jedes Ding demselben Lebensstrom angehören, dann schwindet unser Leiden. Nicht-Selbst ist keine Doktrin oder Philosophie; es ist eine Einsicht, die es uns möglich macht, das Leben tiefer und freudvoller zu erleben und weniger zu leiden. Wir müssen die Erkenntnis vom Nicht-Selbst im Leben verwirklichen.“ (Thich Nhat Hanh: Das Herz von Buddhas Lehre, gekürzt)

Ein falsches Verständnis von der Ich-Losigkeit

Das Beispiel der Erdnussplätzchen zeigt, dass wir nicht von einem unabhängigen getrennten Selbst sprechen können. Über die Nahrung und den Atem sind wir mit dem ganzen Universum verbunden. Mit jeder Scheibe Brot verbinden wir uns mit dem ganzen Kosmos.

Das Brotgetreide nährt sich durch Wasser und Mineralstoffe aus der Erde. Es wird von der Sonne mit Energie versorgt. Durch das Brot verbinden wir uns mit der Erde, dem Meer, den Wolken, dem Regen und mit der Sonne. Im Brot steckt auch die Mühe und Arbeit des Bauern, des Müllers und des Bäckers. Diese Menschen wiederum benutzen Maschinen, die aus Metall sind und aus Erzen stammen, die von Grubenarbeitern aus den Tiefen der Erde gefördert werden. Diese Aufzählung lässt sich weiter und weiter führen. Letztendlich sind wir selbst, nicht nur als Konsument, auch ein Teil dieses ganzen Kreislaufs. Wir zahlen z.B. Steuern, aus denen Agrarsubventionen bezahlt werden, usw. Unser Selbst besteht also aus lauter Teilen, die nicht unser Selbst sind. Wir sind kein Nichts, sondern wir sind mit allem verbunden. Die Erfahrung des Buddha, dass ein getrenntes, unabhängiges, festgefügtes Selbst nicht zu finden ist, wird leider immer wieder falsch verstanden und falsch ausgelegt. Buddha konnte diese tiefe Erfahrung von Nicht-Selbst nur machen, weil er eine starke und entwickelte Persönlichkeit besaß. Seine Lebensgeschichte bis zur Erleuchtung macht dies sehr deutlich.

Ein gesundes Selbstgefühl ist die notwendige Voraussetzung, um die Erfahrung eines Nicht-Selbst zu verarbeiten und in unseren inneren Wachstumsprozess zu integrieren. Der Vipassana-Lehrer und Havard Psychologe Jack Engler hat diesen Umstand mit einem treffenden Satz ausgedrückt: „You have to be someone, to become no one“ (Du musst erst jemand sein, bevor du niemand wirst). Da wir nicht alle das entwickelte Selbstbewusstsein eines Buddha mitbringen, ist es unsere Aufgabe, in unserer spirituellen Praxis ein gesundes Ichbewusstsein zu entwickeln. Wir müssen erkennen, wo unser Selbstgefühl verletzt ist, wo wir ein negatives oder mangelhaftes Selbstgefühl entwickelt haben. Es gilt in der Praxis dieses Selbstgefühl zu heilen bzw. gesund zu entwickeln. Dazu brauchen wir Begleitung, es ist nötig, eine erfahrene Lehrerin oder einen erfahrenen Lehrer zu haben.

Buddha und der verwöhnte Jüngling

Die kleine Gemeinde des Buddha am Rande von Varanasi erregte zunächst wenig Aufmerksamkeit bei den Menschen in der Region. Das sollte sich ändern, als zwei verwöhnte junge Männer aufeinander trafen. Der eine hatte sein fürstliches Haus verlassen und hatte Erleuchtung erlangt, der andere war unzufrieden mit seinem Leben. Eines Morgens kam dieser verwöhnte, reiche Jüngling nach einer durchzechten Nacht voller Lebensüberdruss in den Gazellenhain und sprach vor sich hin: „Welches Elend, welche Enge.“ Buddha hörte dies und entgegnete ihm: „Hier ist kein Elend und keine Enge.“ Der junge Mann wurde auf den erhabenen Bettelmönch aufmerksam und begrüßte ihn höflich. Er stellte sich als Yasa, Sohn eines reichen Kaufmannes aus Varanasi, vor und setzte sich beim Buddha nieder. Yasa lebte in großem Wohlstand, ihm standen drei Paläste zur Verfügung. Er war von Tänzerinnen und Musikanten umgeben, kleidete sich in edle Stoffe und nährte sich von auserwählten Speisen. Reich, verwöhnt und innerlich leer, war er dieses Lebens überdrüssig. Er suchte nach innerer Erfüllung. Buddha, der selbst aus einem reichen Elternhaus stammte, gab dem Jüngling eine Belehrung. Diese Lehrrede war stufenweise aufgebaut und setzte an den alltäglichen Erfahrungen seines Zuhörers an. Diese Methode der fünfstufigen Belehrung wendete Buddha zu verschiedenen Anlässen an. Sie zeigt die großen pädagogischen Fähigkeiten und das Einfühlungsvermögen des Buddha. Diese gestufte Lehrrede beginnt mit der Erläuterung von Freigiebigkeit, tugendhaftem Verhalten im Alltag und Rücksichtnahme gegenüber anderen Wesen. Durch diese Lebensweise soll die Ichbezogenheit zugunsten eines mitfühlenden Verstehens aufgegeben werden. Danach werden die leidvollen Faktoren wie Begierde, Hass, usw. erklärt, dann folgt die Darlegung des Weges der inneren Einsicht durch Achtsamkeit. Diese beiden Schritte sollen Achtsamkeit und Innenschau entwickeln. Als letztes erklärte Buddha die Befreiung, das Nirvana, in dem alle leidvollen Geistesfaktoren erloschen sind. Diese fünfte Stufe war schwer zu erfassen, aber Yasa war ein sensibler junger Mann, der durch die Belehrung tiefe Einsicht erlangte. Die Eltern des Jünglings sorgten sich und der Vater machte sich auf die Suche. Als er in den Gazellenhain gelangte und nach seinem Sohn fragte, gab Buddha auch ihm die fünfstufige Belehrung. Yasa, der sich im Hintergrund hielt, aber die Belehrung mithörte, erlangte noch tiefere Erkenntnis und völlige Befreiung. Er war zu einem Heiligen, einem Arhat geworden. Yasa entschied sich, das weltliche Leben aufzugeben und Bettelmönch im Orden Buddhas zu werden. Auch der Vater, der reiche Kaufmann, war von der Lehrrede beeindruckt. Er wurde zum ersten Laienanhänger des Buddha. Die Schicht der Kaufleute war besonders aufgeschlossen für die Lehre des Buddha. Die Handelsherren erlebten, dass ihr Einsatz und ihre Fähigkeiten über Erfolg und Reichtum entschied. Sie erlebten sich nicht mehr in der Abhängigkeit von den Göttern, sondern nahmen sich als handelndes Individuum wahr, das sein Schicksal selbst gestaltet. Der individuelle Befreiungsweg des Buddha hatte für diese Menschen große Anziehungskraft.

Buddha lehnt die Opferrituale ab

Später wurden Yasas Mutter und seine frühere Ehefrau die ersten Laienanhängerinnen des Buddha. Viele weitere Frauen sollten folgen. Von den ersten fünf Laien in der Gemeinde waren bereits zwei Frauen. Bemerkenswert ist, dass Yasa ein Laie und kein Mönch war, als er Befreiung erlangte. Er entschloss sich erst danach, Mönch zu werden. Yasa war der siebte in der Tradition des Buddha, der Heiligkeit erlangte. Da seine Familie zu den einflussreichsten Kaufmannsfamilien in Varanasi zählte und er einen großen Bekanntenkreis hatte, verbreitete sich die Kunde von seinem Eintritt in den Bettelorden des Buddha wie ein Lauffeuer. Die Texte berichten davon, dass sich durch Yasas Beispiel motiviert 50 junge Männer dem Orden angeschlossen und später Heiligkeit erlangt hätten.

Die Geschichte von Yasas zahlreichen Freunden, die alle Mönche wurden, ist auf dem Hintergrund der damaligen Zeit zu verstehen. Auch wenn die Zahlenangaben nicht verlässlich sind, so zeigt sich doch, dass der Buddha und seine Lehre eine große Anziehungskraft hatten. Es herrschte eine geistige Aufbruchstimmung, die Menschen waren auf der Suche nach Wahrheit. Die alten Opferkulte gaben ihnen keine befriedigende Antwort auf ihre Fragen. Varanasi war ein Zentrum der orthodoxen Brahmanen, den Vertretern der alten ritualistischen Religion. Das zeremonielle Bad im Ganges war eines der täglichen Rituale. Viele Menschen, besonders junge, waren mit diesem Ritualwesen nicht mehr zufrieden, sie hatten Verlangen nach geistiger Erfüllung. Buddha lehnte das Tieropfer ab, hielt rituelles Baden, Feueropfer und andere vedische Rituale für unwirksam und überflüssig. „Denk nicht, o Brahmane, durch Legen von Brennholz erlangst du Reinheit. Nur äußerlich ist dies. Wer Läuterung anstrebt mit äußeren Mitteln, der wird nicht geläutert, so sagen die Weisen.“ (S 7,1,9) „Nicht durch Wasser werden sie rein, die vielen Leute, die hier baden. Derjenige, in dem Wahrheit und Recht zu Hause sind, der ist rein, der ist ein Brahmane.“ (Du 1,9) Solche reformatorischen Aussagen trafen bei den Menschen auf offene Ohren.

Charakterdarstellung im Kapitel Sarnath Seite 64:

Der Mönchsprofessor von Sarnath

Auf den ersten Blick könnte er Italiener oder Grieche sein. Aber er stammt aus Indien, aus
der Provinz Kinaur, östlich von Simla, nahe der tibetischen Grenze. In einer buddhistischen Familie aufgewachsen, ist er acht Jahre in Kinaur zur Schule gegangen und hat in Dharamsala an der Schule für buddhistische Dialektik studiert. Ordiniert wurde er vom Dalai Lama und erhielt den Mönchsnamen Tenzin Chöpel. An der Universität von Varanasi hat er seinen Doktor im Fachgebiet Pali gemacht und arbeitet als Dozent für tibetische Sprache. Er wohnt im chinesischen Tempel von Sarnath.

Sein Fachgebiet Pali ist ungewöhnlich für einen Mönch in der tibetischen Tradition. Tenzin Chöpel glaubt, dass alle Schulrichtungen des Buddhismus ihre Berechtigung haben und die Lehre des Buddha widerspiegeln. Aber es gibt auch überall Aspekte, die nicht dem Geist des Buddhas entsprechen. Eine Einteilung in Hinayana (kleines Fahrzeug) und Mahayana (großes Fahrzeug) hält er für wenig förderlich. Er nennt sich selbst einen Multi-Buddhisten, der keine Scheuklappen trägt. Buddhadharma soll nicht zur Trennung und Abgrenzung führen, sondern zu Einheit und Frieden. Sarnath ist für Tenzin Chöpel der geeignete Ort, er gibt ihm Kraft für seine innere Entwicklung und ist ideal für seine buddhistischen Studien.



1. Kapitel:

Beispiel für eine Meditation Seite 25:

Meditation über einen glücklichen Moment

„Das Leben läuft ab. Deshalb ist es wichtig, unsere geistige Haltung zu untersuchen. Wir sollten uns ständig im täglichen Leben wahrnehmen, dies ist sehr hilfreich und kann uns Richtlinien geben. Wenn wir jeden Tag mit Achtsamkeit und Aufmerksamkeit leben, können wir unsere Motivation und unser Verhalten überprüfen.“ (Dalai Lama)

Wähle eine entspannte aber aufrechte Sitzhaltung auf einem Stuhl oder auf dem Boden, in der du ohne Schmerz und Spannung sitzen kannst. Spüre deinen Körper. Wandere mit der Achtsamkeit von den Füßen bis zum Kopf. Nimm deinen Atem wahr und beobachte einige Atemzüge. Nimm jede Einatmung und jede Ausatmung wahr. Dann lass den vergangenen Tag
vorbeiziehen. Versuch dich an einen Moment des Glücks zu erinnern.

„Jeder Tag hat einen poetischen Moment“. (Konstantin Paustowskij)

Auch der härteste Arbeitstag, auch der stressigste Tag im Haus hat kleine Momente des Glücks: ein Lächeln, ein Vogel am Fenster, der Blick auf eine Blume, der Sonnenstrahl, der ins Zimmer fällt, das Trommeln der Regentropfen, eine Melodie im Radio, das Lachen der Schulkinder, ein freundlicher Gruß, der Geruch des Kaffees, der frische Geschmack des Wassers und vieles mehr. Sollte dir wirklich nichts einfallen, dann wähle einen weiter zurückliegenden Moment.
Mach dir solch einen poetischen Moment bewusst. Lass ihn in dir lebendig werden. Verbinde dich in jeder Ausatmung und Einatmung mit diesem kleinen Moment des Glücks. Er darf in deinem Inneren mehr Raum einnehmen, als er vielleicht im Äußeren hatte. Genieße den schönen Augenblick mit ganzer Achtsamkeit. Besonders nach einem anstrengenden Tag. Wenn der Moment zu verblassen beginnt und die Gedanken wandern, bleibe bewusst weiter beim Atem. Wenn du magst, kannst du den Wunsch aufkommen lassen, dass du und alle Wesen die glücklichen Momente des Tages bewusst erleben mögen. Spüre dann wieder deinen Körper, spüre den Raum, in dem du sitzt und öffne langsam wieder die Augen.


7. Kapitel: Vaishali – Gründung des Nonnenordens

Auszug ab Seite 121:

Vaishali – die erste Demokratie der Welt

Buddha war von der staatlichen Organisation des Licchaver-Stammes beeindruckt. Die Herrschaft lag in den Händen des Kriegeradels. Durch Trommeln wurden die männlichen Mitglieder des Kriegeradels zu den Versammlungen gerufen. Auf diesen öffentlichen Ratsversammlungen wählten sie ihre Oberhäupter, berieten über alle wichtigen Maßnahmen im Staat und trafen dann einvernehmliche Entscheidungen. Wir finden hier Strukturen einer Adelsdemokratie, wie sie später auch in Athen entstanden ist. Vaishali kann deshalb als die Wiege der Demokratie bezeichnet werden. Die Licchaver hatten sich mit acht weiteren Stammesrepubliken zur Vrijji-Konföderation zusammengeschlossen, deren Hauptstadt Vaishali war.
In seinem letzten Lebensjahr sprach Buddha mit einem Minister des Magadha-Königs Ajatashatru über die Vorzüge dieses Staatswesens. Der Minister legte dem Buddha dar, dass der König Ajatashatru die Vrijji-Konföderation angreifen und vernichten wolle. Buddha äußerte sich zu diesem Thema, in dem er sich an seinen Schüler Ananda wandte und mit ihm sprach:

„Was hast du gehört, Ananda? Halten die Vrijji häufig Versammlungen ab und sind ihre Versammlungen gut besucht?“ „Ich habe dies gehört, o Herr.“

„Kommen sie in Eintracht zusammen, gehen in Eintracht auseinander und führen ihre staatlichen Angelegenheiten in Eintracht aus?“ „Ich habe dies gehört, o Herr.“

„Setzen sie nichts Ungebräuchliches fest, verletzen sie nicht die alten Gebräuche, sodass sie in Befolgung ihrer alten Gesetze leben?“ „Ich habe dies gehört, o Herr.“

„Ehren sie ihre Alten und hören auf ihre Ratschläge?“ „Ich habe dies gehört, o Herr.“

„Verschleppen sie keine ehrbaren Frauen und Mädchen und halten sie gewaltsam fest?“ „Ich habe gehört, dass sie dies nicht tun, o Herr.“

„Halten sie ihre Heiligtümer in Ehren und führen dort den religiösen Dienst aus?“ „Ich habe gehört, dass sie dies tun, o Herr.“

„Ist auch religiöser Wandel bei ihnen in Obhut, Schutz und Schirm. Behandeln sie verehrungswürdige religiöse Lehrer gut, dass auch auswärtige Lehrer das Land gerne betreten?“ „Ich habe gehört, o Herr, dass sie so handeln.“
(zusammengefasst nach D 16, Mahaparinibbana-Sutta)

Buddha nannte sieben Eigenschaften, die er besonders an diesen Stammesrepubliken schätzte. Es sind gleichzeitig allgemeine Bedingungen, die einen Staat vor dem Verfall schützen. Solange diese Bedingungen erfüllt werden, ist das Staatswesen stabil und kann nicht von Angreifern besiegt werden. Dieses Gespräch zeugt von der Weisheit des Buddha, die mit praktischer Intelligenz gepaart war. Er gibt eine hervorragende Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen und unterlässt dabei jeden Hinweis auf seine Lehre und seinen geistigen Weg. Hier wird verständlich, warum Könige ihn als Berater oder gar Minister haben wollten.

Ajatashatrus Minister zog daraus den Schluss, dass man Unfrieden innerhalb der Stammesrepubliken stiften müsse, um sie reif für eine Eroberung zu machen. Im Jahre 481 v. Chr. war dieses Ziel erreicht. Ajatashatru überfiel die Vrijji-Konföderation und zerstörte die Hauptstadt Vaishali. Damit endete zwei Jahre nach Buddhas Tod in Nordindien die Ära der kleinen demokratischen Stammesrepubliken, mit deren staatlicher Verfassung Buddha sympathisiert hatte. Auch die Struktur seines Ordens orientierte er an diesem demokratischen Vorbild. Stammte er doch selbst aus solch einer Adelsdemokratie. Seine Heimat, die Shakya-Republik, wurde noch vor seinem Tod durch die Truppen des Kosala-Königreiches zerstört. Nun beherrschten die große Monarchien mit einem erblichen Königtum das nördliche Indien. Die Legitimation des Herrschers wurde nun nicht mehr von einer Ratsversammlung gegeben, sondern von den Göttern abgeleitet.

Die Gründung des Nonnenordens

Buddhas Vater, König Shuddhodana, war gestorben und Buddha hatte im Jahre 523 v. Chr. seine Heimatstadt Kapilavastu besucht. Von dort aus wanderte er nach Vaishali, wo er seine fünfte Regenzeitklausur verbrachte. Dorthin war ihm seine Stiefmutter Prajapati, die respektvoll Mahaprajapati genannt wurde, mit einer großen Anzahl an Shakya-Frauen gefolgt. Sie hatten die Köpfe geschoren und trugen ockerfarbene Roben wie Mönche. Mahaprajapati wandte sich an Buddha und bat ihn, auch Frauen den Zugang zum Orden zu ermöglichen. Buddha lehnte dies ab. Mahaprajapati ließ sich nicht abweisen, sondern wandte sich an Ananda, er solle bei Buddha ein Wort für sie einlegen. Ananda war als Cousin des Buddha ein Neffe von Prajapati. Er fragte
den Buddha:

„Herr, können Frauen, die mit Deiner Lehre und Disziplin in die Hauslosigkeit ziehen, die Vollendung erlangen?“ „Sie können es, Ananda.“ (Cv 10.1)

Wenn Frauen Vollendung erlangen könnten, so schlussfolgerte Ananda, dann wäre es gut, wenn Mahaprajapati und die anderen Frauen das Recht bekämen, auch in die Hauslosigkeit zu ziehen. Besonders da Mahaprajapati den Erhabenen aufgezogen habe. Dem konnte Buddha nichts entgegenhalten, und er stimmte einem Orden für Frauen zu. Er verlangte allerdings acht zusätzliche Regeln, die sicherstellen sollten, dass die Nonnen den Mönchen unterstellt wären. Mahaprajapati akzeptierte diese Regelung. Damit war der Nonnenorden gegründet. Trotz des Zögerns war es ein mutiger Schritt des Buddha, in der patriarchalen Gesellschaft des alten Indien eine eigene Organisation für Frauen zuzulassen.

Die Geschichte des buddhistischen Nonnenordens

In den Palitexten werden über 500 Frauen erwähnt, die Erleuchtung erlangt haben. Buddha hat in Shravasti die herausragenden Eigenschaften seiner bedeutenden Anhängerinnen und Anhänger hervorgehoben. Obwohl er vor Mönchen sprach, hob er gleichberechtigt nebeneinander die Fähigkeiten von Mönchen, Nonnen, Laienanhängern und Laienanhängerinnen hervor.

Der Nonnenorden genoss tiefen Respekt und leistete Großes bei der Verbreitung der Lehre. Berühmt wurde Sanghamitra, die Tochter von Kaiser Ashoka. Sie brachte den Buddhismus nach Sri Lanka und war Mitbegründerin des Nonnenordens, der bis zum Jahr 1017 n. Chr. dort
existierte. Nach dem Überfall und der Herrschaft durch die Hindus der tamilischen Chola-Dynastie hörten der Mönchs- und der Nonnenorden auf zu bestehen. Der Mönchsorden wurde mit dem Ende der Tamilenherrschaft durch burmesische Mönche wiederbelebt. Der Nonnenorden konnte nicht wiedergegründet werden, da er in den Theravada-Ländern Burma, Thailand, Laos und Kambodscha nie existiert hatte. Natürlich gab es dort Frauen, die in Klöstern lebten, aber sie waren nicht voll ordiniert. So hörte der Nonnenorden in Sri Lanka im
11. Jh. auf zu existieren. Im 12. Jh. mit dem allgemeinen Niedergang des Buddhismus starb der Nonnenorden auch in Indien aus.

Zehn ceylonesische Nonnen hatten im Jahre 434 n. Chr. in Nanking 300 chinesische Frauen zu Bhikshunis ordiniert und damit den chinesischen Nonnenorden begründet. Seit dieser Zeit gibt es in der chinesischen Mahayana-Tradition einen Nonnenorden. Von China breitete sich der Nonnenorden nach Korea und Vietnam aus. Bis in die heutige Zeit existiert der Nonnenorden in Taiwan, Hongkong und Südkorea. Im Jahr 1996 haben in Sarnath koreanische Nonnen, im Beisein von singhalesischen Mönchen, zehn Frauen aus Sri Lanka ordiniert. Weitere Ordinationen folgten in Bodhgaya und in Sri Lanka selbst. Damit kehrte der Nonnenorden nach Sri Lanka zurück, dem einzigen Land des Theravada-Buddhismus, das einen Nonnenorden besaß. Im Jahr 2004 gab es bereits wieder über 400 vollordinierte Bhikshunis und 800 Novizinnen, die sich auf die Ordination vorbereiten.

Die konservativen Teile des Mönchsordens erkennen die Nonnen nicht an. Aber breite Teile der Gesellschaft, Professoren, Schriftsteller und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, begrüßen die Bildung eines Nonnenordens. In anderen Theravada-Ländern, wie Thailand oder Burma, ist der Widerstand der buddhistischen Oberen noch groß.

Bei den Tibetern ist der Nonnenorden auch noch nicht etabliert. Aber es gibt Schritte in diese Richtung. So wurden, vom Dalai Lama unterstützt, sechs Klöster für Nonnen gegründet, die den Klosteruniversitäten der Mönche entsprechen. Dort können Frauen höhere buddhistische Studien betreiben und den Abschluss einer Geshema erlangen, der dem Grad eines Geshe bei den Mönchen entspricht und vergleichbar mit einem Doktor der Theologie ist.

Auch im 21.Jh. haben es Frauen in Asien noch schwer, sich gegen rückständige frauenfeindliche Ansichten der buddhistischen Orthodoxie durchzusetzen.
In Anbetracht dessen zeigt sich, wie revolutionär es war, dass Buddha vor 2500 Jahren in Indien einen Nonnenorden gegründet hat.
 

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